Eine dumme Bewegung…

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Man hört es ja immer wieder. Ein kurzer Moment der Unachtsamkeit, ein unbedeutender Augenblick reicht aus um ein Leben zu verändern. Das einem so etwas selbst passiert glaubt man eigentlich nicht. Ich selbst war noch nie in meinem Leben ernsthaft krank und ich dachte auch nie, das mich irgendetwas aus der Bahn werfen könnte. Bis zu jenem Tag…

Es war ein schöner Samstag im Juli. Meine Tochter hatte im Kindergarten “Papa Spieltag”. Gut gelaunt ging ich mit ihr zum Kindergarten. Dort wurde erst gefrühstückt, danach war spielen angesagt. Dann, mitten im schönsten Spiel eine blöde Bewegung und Zack ein Stich in die rechte Achillessehne. Naja, nicht so schlimm dachte ich bei mir und belastete die rechte Seite nicht mehr so stark. Und was passierte dann? Genau. Peng. Stich in die linke Achillessehne. Nach Hause lief ich wie auf rohen Eiern. Nach etwa 10 Minuten laufen waren die Schmerzen nicht mehr so stark. “Na gut, wird wohl nur eine kleine Überlastung sein”. Ich versuchte mich besonders wenig und schonend zu bewegen, aber es half nichts. Die Schmerzen wurden nicht besser. Hinzu kam noch eine gewisse Steifigkeit wenn ich eine weile saß oder lag. Nach etwa 10 Minuten Bewegung war diese weg, nach etwa 15-20 Minuten Bewegung wurden die Schmerzen stärker. “Okay, überredet, ich gehe zum Arzt”.

Wie es in solchen Fällen natürlich üblich ist, besonders zur Sommerzeit, war mein Hausarzt nicht anwesend. Urlaub. Aber eine Vertretung ist in der Praxis. Ein relativ junger Arzt begrüßte mich. “Mein Name ist Doktor Blahblah, ich arbeite normalerweise in der Notaufnahme in der XYZ Klinik”. Notaufnahme klingt gut, der Mann scheint fähig zu sein. Also klagte ich mein Leid. Der Doc nickte, schaute sich die Sehnen an und meinte: “Sie haben eine Achillodynie”. “Okay, das ganze hat wenigstens einen Namen und ist nicht irgendwas seltenes”, dachte ich bei mir. Er verschrieb mir Diclofenac und zwei Fersenkeile. “In spätestens zwei Wochen sind sie wieder auf dem Damm. Vorsorglich überweise ich sie noch an einen Orthopäden, falls es in zwei Wochen nicht merklich besser wird gehen sie mal hin”. Besser wurde es nicht. Eher schlimmer. Natürlich wartet jeder Orthopäde darauf, das ich mich melde. Termin in 8 Wochen war das früheste. Als ich endlich meinen Termin hatte, schleppte ich die Sache schon 3 Monate mit mir herum. Beim Laufen sah ich aus wie ein 70 jähriger. Der Orthopäde verschrieb mir Diclofenac (ui, was ganz neues), Einlagen (ist auch so ein Universalmittel), Teersalbe und schrieb mich für eine Woche krank. Eine Woche später nochmals eine Woche. Dann hatte er Urlaub und ich konnte mich noch immer nicht besser bewegen. Mein Hausarzt schrieb mich daraufhin weiter krank und versorgte mich erneut mit Diclofenac, bis ich mich nach einem anderen Arzt erkundigt hatte. Der nächste Orthopäde startete stark, ließ aber genauso schnell stark nach. Zuerst röntgen, Diclofenac durch Kortison ersetzt und einen Termin in der Strahlenklinik zur Bestrahlung ausgemacht. “Endlich ein Arzt der mal handelt…”, dachte ich bei mir. Inzwischen war ich beim Krankengeld angekommen und ging meiner Frau schon ordentlich auf die Nerven.

Die Strahlenklinik lehnte eine Behandlung ab, da ich dafür zu jung sei und die Nebenwirkungen, die offiziell nicht existieren,  extrem sein können (Krebs in 15-20 Jahren). Mein Orthopäde tobte. Kortison wurde abgesetzt, Krankmeldungen gab es nun Monatsweise. Ende Dezember mußte ich zum Kernspind. Dort wurde eine leichte Achillodynie diagnostiziert. Nun tobte ich. Bis Mitte Februar lautete der ärztliche Rat: “So wenig Bewegung wie möglich”. Danach bestand der Arzt darauf, das ich wieder arbeiten müsse. Nach drei Tagen Arbeit waren die Schmerzen so stark, das ich mich nicht mehr bewegen konnte. Überweisung an einen Spezialisten für chirurgische Orthopädie um abzuklären ob man das ganze operieren könne. Der Spezialist schaute sich das ganze an und meinte: “Kann ich operieren. Pro Seite etwa ein halbes Jahr. Aber ob sie je wieder in ihrem Beruf arbeiten können bezweifle ich”. Bumm! Das war wie ein Schlag in die Fresse. Noch ein Jahr die Schmerzen, den ganzen Ärger? Ich stand nun nicht mehr vor einem Abgrund, ich schwebte bereits darüber. Das ewige Nichtstun bescherte mir satte 10 Kilo mehr auf der Waage und inzwischen stand nun auch meine Ehe durch den ganzen Mist kurz vor dem Aus. Mir wurde schlagartig bewusst,  das ich nun alles verlieren kann. Der Arzt wollte von mir noch wissen, welche Therapien bis jetzt gemacht wurden. Therapien? Extreme Couching und Beamten Mikado waren meine Antwort. Der Doc verschrieb mir Krankengymnastik und eine Ultraschall-Behandlung. Wenn diese in drei Monaten keine Wirkung zeigen werde er operieren. Endlich kam mal etwas Bewegung in die Sache.

Bei der Krankengymnastik war man sehr erstaunt über die Aussage der Orthopäden. Nichts tun ist keine Lösung. Bewegung ist das einzig richtige. Schnell merkte ich, das mir die Bewegung gut tat. Ich setzte mich auf Diät und begann langsam mit Sport. Krafttraining und leichtes Training auf dem Crosstrainer. Nach 6 Wochen Behandlung schlug auch langsam die Ultraschallbehandlung an. Die OP wurde daraufhin abgesagt. Ich steigerte langsam die Belastung, natürlich unter der Aufsicht der Krankengymnastik, und spürte von Woche zu Woche eine Besserung. Stück für Stück stellte ich mein Leben um und bewegte mich vom Abgrund weg. Nach drei Monaten Behandlung war ich wieder schmerzfrei. Ihr könnt euch kaum vorstellen, was für ein tolles Gefühl das ist. Endlich wieder laufen und stehen ohne wenn und aber. Nach acht Monaten wurde ich endlich wieder Gesund geschrieben. Fast ein Jahr nach der verhängnisvollen, dummen Bewegung. Seit zweieinhalb Monaten bin ich nun wieder am arbeiten und bin noch immer absolut schmerzfrei. Auch alles andere kam dadurch wieder ins Lot. Der Abgrund ist in weite Ferne gerückt und ich fühle mich so gut, wie schon lange nicht mehr. Die ganze Sache hat mich verändert, innerlich und äußerlich. Bis zum heutigen Tag habe ich 22 Kilo abgenommen und ziehe mein Sportprogramm weiter durch. Ihr wisst ja: Wer rastet, der rostet. ;)

Und wenn ihr jemals vor dem Abgrund steht solltet ihr eines tun: Kämpft! Es lohnt sich…



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